Workshops mit Pferden

Selbstheilung

„Die Leute streiten im Allgemeinen nur deshalb, weil sie nicht diskutieren können.“
Gilbert Keith Chesterson

Das Zusammenfinden einer Gesellschaft

Wie haben Sie sich nach einer Auseinandersetzung/Streit mit dem Partner gefühlt? Haben Sie gedacht, «nie wieder wird mir das passieren» oder «ich zeige ihm dann wieder mal». Wie denken und reden Sie über Ihren Partner nach so einer Situation? Wie lange dauert dieser Groll an? Was braucht es, damit Sie wieder bereit sind Ihrem Partner zu zuhören? Welcher innere Prozess läuft vor dieser Bereitschaft ab? Wie sieht er aus? Wie bereit sind Sie Ihren Anteil in der Auseinandersetzung zu erkennen? Machen Sie Ihren inneren Frieden abhängig von jemand anders? Können Sie mit Ihrem Leben vorwärts gehen, ohne dass die andere Person oder Situation sich geändert hat?

Ihre Antworten werden abhängig davon sein, wie es Ihnen allgemein geht. Sind Sie tendenziell innerlich ausgeglichen und allgemein glücklich, zieht Sie so eine Auseinandersetzung weniger nach unten als wenn Sie voll gestresst und vom Leben überfordert sind. Wie auch immer es Ihnen gerade geht, einen gemeinsamen Weg nach einer Auseinandersetzung zu gehen, fällt keinem leicht. Etwas Überwindung und ein offenes Herz wird es immer dazu brauchen.

Und das alles läuft zwischen zwei Personen ab. Stellen Sie sich es vor, wie der Weg aussehen könnte, wenn die ganze Gesellschaft sich wieder zusammenfinden sollte, wie in der heutigen Situation mit der Pandemie. Wenn andere Meinungen vorhanden sind führt dies zu einer Spaltung, es herrscht die Mentalität von «wir gegen sie», wir kreieren Gegner durch unsere Gedanken und später durch unsere Wortwahl. Sobald diese erste Trennung im Kopf stattgefunden hat, hört dann auch der Dialog auf. Das sehen wir jetzt ganz gut während der Pandemie. Auch bei mir habe ich gemerkt, dass ich oft einen grossen Bogen um dieses Thema herum mache, weil die Überzeugungen so stark auseinander gehen.

Wie sieht die Lösung aus?

  • Führung als verbindendes Element
  • Dialog wieder aufnehmen
  • Vertrauen wieder etablieren
  • Heilung ermöglichen

Führung als Verbindendes Element

Hier geht es in erster Linie den Fokus auf die gemeinsamen, anstatt auf die trennenden Elemente, zu setzen. Die Führung muss eine gemeinsame Lösung für möglich halten und selber davon überzeugt sein. Sie muss auch in dieser Hinsicht als Vorbild agieren. Besonders in Krisen wird umso mehr geachtet, sonst wird ihre Glaubwürdigkeit sehr schnell in Frage gestellt.

Ich weiss von einer Firma wo 400 Mitarbeiter ganz brav Masken tragen mussten und die Führungsetage ohne Maske herumgelaufen ist.

Dialog wieder aufnehmen

Auch ohne Pandemie geht der Mensch durch das Leben und meint seine Meinung entspricht der Wahrheit. Das stimmt auch zum Teil, weil auf Grund von gemachten Erfahrungen der Mensch etwas glaubt. Hier stellt sich die Frage was zuerst kam, das Huhn oder das Ei. Seit Kindheit sind wir von Glaubenssätzen geprägt, die wir oft einfach annehmen ohne ihre Wahrhaftigkeit für unser Leben in Frage zu stellen, z.B. ein erfolgreiches Leben definiert sich über eine angesehene Stelle, eine Familie und Haus zu haben und über einen hohen Kontostand. Sie krampfen um dies zu erreichen nur um später festzustellen, dass sie dabei überhaupt nicht glücklich sind. Glaubenssätze betreffend Gesundheit und persönliche Freiheit beeinflussen natürlich auch die Bereitschaft für ein Dialog während der Pandemie.

Was den nötigen Dialog auch erschwert ist die Tatsache, dass wir nicht so leicht zu den Fakten kommen. In den Medien wird einseitig berichtet und auf beiden Seiten gibt es Fake News.

In Krisen wie wir sie jetzt erleben wird der Mensch und sein Schicksaal lediglich als Zahle erfasst. Wenn wir den Dialog suchen möchten, muss der Mensch und seine Erfahrung/Schicksal während der Krise wieder im Vordergrund stehen. Das heisst, dass wir als Führungsperson unseren Mitmenschen aktiv zu hören müssen, um zu verstehen warum sie so denken und handeln wie sie es gerade machen, um an Lösungen zu kommen die dem Wohl von allen dienen. Wir können nicht auf andere Menschen warten, wenn wir etwas ändern möchten. Wir können aber Verantwortung übernehmen und handeln, auch wenn es zu Beginn nur im Familien- oder Freundeskreis ist.

Vertrauen wieder etablieren

Vertrauen innerhalb der Gesellschaft zu etablieren, ist mit den vielen Fake News sehr schwierig. Vertrauen bedingt eine wohlwollende Absicht für alle Betroffenen in jeder Handlung. Vertrauen bedingt auch Glaubwürdigkeit die sich in den Handlungen abzeichnet. Aber wir können als Führungsperson drauf achten, dass wir alles tun, um Vertrauenswürdig zu sein und unseren Angestellten wo möglich Vertrauen schenken. So hat unser Verhalten eine wichtige Signalwirkung für andere Menschen.

Selbstheilung ermöglichen

Jeder erlebt die Corona-Situation anders. Aber jeder hat es in der Hand trotz allem etwas Gutes für sich zu tun. Die Natur macht uns dies vor. Nach einer stressigen oder traumatischen Situation schütteln sich Wildtiere. Man sieht es auch, wenn sich zwei Hunde mit etwas Anspannung begegnen. Sobald die Begegnung vorbei ist, wird geschüttelt, sodass die aufgebaute Muskelspannung wieder gelöst werden kann. Ihr Verhalten ist eine instinktive Reaktion welche in allen Mamillen zu finden ist und welches auch erklärt warum bei Tieren keine PTSD-Symptome aufkommen wie bei Menschen.

Im Unterschied zu den Tieren lebt der Mensch permanent in Angst, bzw. Stress und seit der Pandemie umso mehr. Die Angst, ob real oder nur im Kopf, löst im Körper die gleiche Reaktion aus. Der Körper befindet sich im «Kampf- oder Fluchtmodus», der Blutdruck steigt, die Fähigkeit klar zu denken sinkt und das Immunsystem ist geschwächt. Das ist der momentane Zustand der meisten Menschen. Wie soll dann der Körper gesund bleiben können, schweige heilen, wenn er sich permanent in diesem Zustand befindet?

Seit Anfang der Pandemie habe ich noch mehr auf meine psychische und physische Gesundheit geachtet. Ich habe mich nicht täglich mit Corona direkt befasst, sondern 1x/Woche gezielt auf die BAG-Webseite geschaut, um informiert zu bleiben. Ich habe bewusst geschaut, dass sich meine Gedanken und Gespräche mit anderen nicht nur um das Thema Corona gedreht haben. Ich habe den Fokus für mein Geschäft lösungsorientiert nach vorne gesetzt. Auf der körperlichen Ebene habe ich weiterhin geachtet, dass ich im Alltag gesund lebe –Bewegung, Ruhezeit, gesundes Essen und genügend Schlaf – alles Sachen die mein Immunsystem stärken.

In persönlichen Beziehungen wie auch in der Gesellschaft sind wir mit Konflikten konfrontiert. Auch hier müssen wir von der Idee wegkommen zu beweisen wer Recht hat oder wer nicht. Weil dann spricht unser Ego. Wir müssen unser Herz wieder öffnen und den Menschen mit allem was er ist begegnen und mit ihm den Dialog suchen.

Dieser Beitrag wurde zuerst im Ladies Drive, Herbst 2021, veröffentlicht.

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