Auswirkungen unserer Leistungsgesellschaft auf die Pferdewelt

Was ist noch natürlich in der Pferdewelt?

Das Pferd als Teil der Natur ist auch vom Leistungsdruck unserer Gesellschaft betroffen. 

Schon in der Zucht entfernen wir uns stark von der Natur. Natürliche Selektion wird durch eingefrorene Spermien ersetzt. Fohlen werden oft von ihrer Mutter getrennt, bevor Stute und Fohlen pferdegerecht darauf vorbereitet sind, einfach damit sie auf die Fohlenweide gehen, zum Teil schon mit 3 Monaten. Es wird wenig an die seelischen Narben, die daraus entstehen gedacht. Zusätzlich ist eine reine Fohlenweide wie ein Kindergarten ohne Lehrer. In der Natur wachsen Fohlen in Grossfamilien auf und werden von älteren Pferden erzogen.

Nach der Fohlenweide geht es in die Ausbildung. Pferde werden eingeritten und ausgebildet nach dem Zeitplan vom Menschen. Wenn man weiss, dass ein Pferdekörper erst mit 6-8 Jahren voll ausgewachsen ist, müsste man bis dahin vorsichtig mit ihm umgehen. Die Ausbildung muss sich gleichzeitig nach der mentalen und emotionalen Bereitschaft des Individuums richten. Es werden auf jeder Ebene Spuren hinterlassen, wenn ein Pferd nicht ganzheitlich ausgebildet wird.

Hengste leben meistens ein einsames Leben, das auf Leistung im Sport oder als Zuchthengst ausgerichtet ist. Sie lernen nie ihre Kinder kennen und sind bei der Erziehung nicht dabei. Auch Zuchtstuten bekommen nicht die Möglichkeit mit ihren Fohlen aufzuwachsen.

Nach der Ausbildung werden Pferde in das Leben von ihrem Halter integriert und sind abhängig von der Bereitschaft dieses Menschen auf die Bedürfnisse des Pferdes einzugehen. Wie frei ist das Pferd wirklich, wie viel wird vom Menschen bestimmt und wo darf das Pferd entscheiden, z. B. kann es essen, wenn es Hunger hat? 

Erfreulicherweise, gibt es eine deutliche Steigerung in den Anzahl Offenställe und trotzdem leben immer noch ca. 50 % der Schweizer Pferde in Einzelboxen. Obwohl es noch Innenboxen gibt, dürfte man sie mit dem heutigen Wissensstand keinem Pferd zumuten.

Der Umgang mit Pferden und andere Lebewesen ist für mich ein Spiegel unserer Leistungsgesellschaft und Konsumverhaltens, die uns dort geführt hat, wo die Welt heute steht. Jeder weiss, dass es kein schöner Zustand ist und dass wir dringend aufgefordert sind umzudenken. Unsere Leistungskultur ist künstlich und vom Menschen erzeugt, die Natur funktioniert nicht so. Sie basiert aus gegenseitiger Hilfe und Kooperation und dient dem Wohl des Ganzen.

Vieles hat sich zum Wohl des Pferdes positiv verändert und trotzdem bleibt noch ein Weg vor uns. Was ist dein Beitrag zu dieser Veränderung?

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